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	<title>Initiative Umsteuern &#187; Reiners</title>
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		<title>Mythos oder Fakt? Von den Herausforderungen für das Gesundheitssystem in Deutschland</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 16:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Jung</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Die Kernprobleme sind dabei im Wesentlichen auf drei Bereiche konzentriert: die Ausgaben, die Einnahmen und die Effizienz des Systems. Dass dies nicht so ist, bestreiten immer wieder Vertreter des linken politischen Flügels. Allen voran Hartmut Reiners, der in seinem Buch „Mythen der Gesundheitspolitik“ darstellt, die Probleme seien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Die Kernprobleme sind dabei im Wesentlichen auf drei Bereiche konzentriert: die Ausgaben, die Einnahmen und die Effizienz des Systems.</p>
<p>Dass dies nicht so ist, bestreiten immer wieder Vertreter des linken politischen Flügels. Allen voran Hartmut Reiners, der in seinem Buch „Mythen der Gesundheitspolitik“ darstellt, die Probleme seien lediglich „suggestive Bilder“, gezeichnet durch „handfeste wirtschaftliche und politische Interessen“. Fakten würden selektiert, heißt es da. Und sie entsprächen nicht den allgemeinen Erfahrungen. Ähnlich argumentieren andere Autoren. Grund genug, die Fakten zu überprüfen und die scheinbaren Mythen zu hinterfragen.</p>
<p>Ein Mythos sei demnach die Kostenexplosion. Die Gesundheitsausgaben in Deutschland seien im Vergleich zu Deutschland nicht überdurchschnittlich hoch. Belegt wird diese Aussage mit dem Anteil der Gesundheitsleistungen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), der vergleichsweise moderat gestiegen sei. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass von 1992 bis 2007 der Anteil am BIP „nur“ um 0,8 Prozentpunkte gestiegen ist. Allerdings ist der Anteil im internationalen Vergleich fast der höchste. Nur Frankreich und die USA haben im Jahr 2007 mit einem Anteil von 11 Prozent bzw. 16 Prozent des BIP noch mehr für die Gesundheit ausgegeben.</p>
<p>Schnell wird nun klar, dass ein ohnehin bereits sehr hoher Anteil nur noch leicht gestiegen ist. Ausgehend von einem hohen Niveau wäre ein noch größerer Anstieg fatal. Im Gegenteil: Es ist dringend notwendig, sich an positiveren Beispielen zu orientieren und die Kosten zu senken. Dies betrifft vor allem den hohen öffentlichen Kostenanteil, der wegen der negativen Finanzierungswirkungen den Faktor Arbeit erheblich belastet.  Betrachtet man nun die absoluten Kosten, sieht die Sache schon ganz anders aus: Die Gesundheitsausgaben insgesamt sind in den letzten 15 Jahren um 100 Milliarden auf 250 Milliarden Euro gestiegen. Und die Gesundheitskosten pro Kopf sind um mehr als 50 Prozent gestiegen. Sie lagen im Jahr 2007 bei rund 3.000 Euro. Was sind also die Ursachen für diesen Anstieg?</p>
<p>Weder die demographische Entwicklung noch der medizinische Fortschritt seien für den Kostenanstieg verantwortlich, heißt es dazu. Die Alterung sei kein Kostentreiber. Nach der sogenannten Kompressionsthese verschiebe sich lediglich die teure letzte Lebensphase ins höhere Alter. Empirische Studien haben allerdings ergeben, dass eine höhere Lebenserwartung durchaus mit einer kontinuierlichen Erhöhung der Ausgaben einhergeht (u. a. Niehaus 2006) Dazu ist es jedoch erforderlich, anhand von Prognosedaten auf die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung und des medizinischen Fortschritts vorausblicken. Dann zeigt die Entwicklung der Gesundheitsausgaben einen deutlichen Anstieg der Ausgaben in allen Altersstufen. Und dass die technologische Entwicklung hohe Kosten verursacht, wird vor allem dann deutlich, wenn in diese Kosten auch die Kosten für die dafür notwendige Forschung und Entwicklung eingerechnet werden. Komplexe, hochtechnisierte Geräte und die Erforschung neuester Medikamente sind nicht umsonst zu haben.</p>
<p>Auch der Wettbewerb sei kein kostensenkendes Instrument. Allein die Formulierung dieses Mythos erscheint schon überflüssig, wenn es scheinbar gar kein Kostenproblem gibt. Warum sollte der Wettbewerb dann Kosten senken müssen? Der Wettbewerb sei von Eigennutz dominiert, er verändere die Qualität der medizinischen Versorgung und verdränge kommunikative Leistungen zu Gunsten technischer Leistungen. Gesundheit sei kein handelbares Produkt.</p>
<p>Ausgeblendet werden aus dieser Argumentation die Anreizfunktionen des Wettbewerbs. Und diese sind nicht nur ökonomischer, sondern auch gesellschaftspolitischer Art. So zwingt die Notwendigkeit, in der Konkurrenz mit anderen Anbietern Kunden für die eigenen Leistungen finden zu müssen das Eigeninteresse in den Dienst gesellschaftlicher Ziele. Von den Sanktionsfunktionen des Wettbewerbes ganz zu schweigen. Darüber hinaus trägt der Wettbewerb maßgeblich zur Kostensenkung und zum technologischen Fortschritt bei. Und wenn der Einsatz technischer Leistungen Heilung mit sich bringt, kann im Zweifel auch eine kommunikative Leistung, die lediglich zur Feststellung von Gesundheitsproblemen, nicht aber zu ihrer Heilung beiträgt, eingeschränkt werden.</p>
<p>Soviel zu einigen ausgewählten „Mythen“ der Gesundheitspolitik. Eine Auseinandersetzung mit Fakten zu diesen angeblichen Mythen macht schnell deutlich, dass die Herausforderungen, vor denen das Gesundheitssystem steht, sehr realer Natur sind. Und diesen Herausforderungen muss die Politik begegnen. Denn nur dann werden Lösungen geschaffen, in denen der Patient das Maß aller Dinge ist. Genau so, wie das linke Parteienspektrum es fordert.</p>
<hr />
<p><span style="text-decoration: underline;">Literatur:</span></p>
<p><strong>Niehaus, Frank </strong>(2006): Auswirkungen des Alters auf die Gesundheitsausgaben; WIP-Diskussionspapier 5/06.<br />
<strong>Reiners, Hartmut</strong> (2009): Mythen der Gesundheitspolitik; Bern: Huber.</p>
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